Der Wolf ist auch nur ein fauler Hund...

Münsingen / Von Sabine Zeller-Rauscher 11.03.2018

Erstellt am 12.03.2018

Der Wolf in seinem Namen reicht Wolfgang, auch nachdem er am Freitagabend in der Zehntscheuer den Vortrag von Wolfexperte Gregor Beyer gehört hat, völlig aus. Würde man das Namenswortspiel in „Wolf gang“ sprich „Wolf verschwinde“ weiter spinnen, wären sich sicherlich die meisten der mehr als 170 Zuhörer einig, dass dies wohl die beste Lösung wäre.

 

Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Überwiegend Schäfer, Jäger und Landwirte hörten sich die Wolfserfahrungen aus Brandenburg an. Unter dem Motto „Wissen statt Märchen“ stellte Beyer klar, dass Wildtiere die Akzeptanz derer besitzen müssen, die von ihnen wirtschaftlich betroffen sind. Dass der Wolf in Deutschland ausgerottet war und eine gefährdete Art sei, bezeichnete der Spezialist als Doppelmärchen. Sogenannte Populationen wären nahezu willkürlich aus offenbar politischen Erwägungen heraus festgelegt worden. Munter durcheinander gemischt würden in der politischen Debatte der Bestand und die Population.

 

Weiter räumte der Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg auch das Märchen „Der Wolf, das scheue Tier, das man nie sieht“ aus den Köpfen derer, die es bislang geglaubt haben und betonte, dass der Wolf nur so lange scheu wäre, wie er bejagt wird. Spätestens bei den unschönen Bildern, die Beyer von bestätigten Wolfsrissen aus Brandenburg dabei hatte, musste jeder eingestehen, dass Wölfe mitten in Dörfer und Städte kommen, um sich ihre Leckerbissen zu holen. „Der Wolf ist eben auch nur ein fauler Hund“, so Beyer, womit er zum Ausdruck brachte, dass der Wolf den gedeckten Tisch in besiedelten Gebieten längst entdeckt hat. Selbst vor einem Kita-Gelände trieb sich der graue Räuber herum. Zustände, die wohl die wenigsten wirklich wollen. Weder in Brandenburg noch sonst irgendwo. Dass der Canis Lupus sich vornehmlich an Wildtieren bedient, räumte Beyer unter anderem mit einer Nutztierriss-Statistik als drittes Märchen aus dem Weg. Waren es 2007 noch vier Schafe und keine Rinder, die in Brandenburg vom Wolf gerissen wurden, waren es 2017 bereits 316 Schafe und 47 Rinder. Auch zwei Pferde wurden nachgewiesen Opfer des Wolfes. Die Dunkelziffer dürfte einiges darüber liegen, weil Brandenburg einzig über einen Risssachverständigen verfügt. „Bis der dann kommt, vergehen oft Stunden und als erstes müssen die Landwirte meist hören, dass es auch ein Hund gewesen sein könnte“.

 

Dass das Thema Wolfsriss von vielen, reflexartig mit den Worten „wird ein Hund gewesen sein“ heruntergespielt wird, stört auch MdL Andreas Glück. Er fordert: „Der Wolf muss in das Jagdrecht aufgenommen werden. Wenn es Probleme gibt, braucht man eine rechtliche Möglichkeit, den Wolf zu erschießen“. Außerdem müsse auch die Haftbarkeit der Nutztierhalter zum Beispiel im Falle einer durch den Wolf ausgebrochenen Herde geklärt sein.

 

Auch Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, äußerste seine Bedenken unter anderem mit Blick auf die rund 3000 Pferde und 20 000 Schafe im Kreis, die wohl nur schwer mit einem drei Meter hohen und zwei Meter in den Boden vergrabenen Zaun zu schützen wären. Bis 1992 war es in der DDR gang und gäbe, dass der Wolf geschossen wurde. Auch die innerdeutsche Grenze war für ihn schwer zu bewältigen. Zwischenzeitlich ist er streng geschützt. Managementpläne würden bislang nur tatenlos die Ausbreitung und Zunahme der Wolfsbestände beobachten. „Die Menschen wollen kein Papier, sondern verlässliche Maßnahmen“, so Beyer. Das im sogenannten „Jedermannsrecht“, der Wolf zwar in geschlossenen Ortslagen von den Anwohnern verscheucht, dabei aber nicht verletzt werden darf, löste in den meisten Zuhörern Kopfschütteln aus. Auch die Tatsache, dass ein Jäger seinen vom Wolf bedrohten Hund im Ernstfall nicht per Schuss schützen kann. Genauso wenig wie der Jäger einen leidenden Wolf mit seiner Waffe erlösen darf. Treibt sich der Wolf in Brandenburg tagsüber in geschlossener Ortslage herum, darf er laut Wolfsverordnung von einer beauftragten Person, durch geeignete Maßnahmen wie fangen, betäuben oder auch töten „vergrämt“ werden. Der Wolf vor der Kindertagesstätte war übrigens schlauer. Er suchte vor der Vergrämung das Weite. Gregor Beyer war es gelungen, das heikle, teils emotionsgeladene Thema, auf rein sachlicher Ebene, anhand von klaren Fakten aus Brandenburg, zu beleuchten.

 

Beyers Ziel war es, nicht Ängste zu schüren, sondern mit Hilfe der Beispiele aus Brandenburg Aufklärung zu betreiben. Die Zuhörer waren sich einig, dass auch Baden Württemberg, das nach bestätigten Wolfsrissen und Wolfsfunden zum Wolfsland geworden ist, die Sicherheit des Menschen, die Natur und auch den wirtschaftlichen Zweig in ein gesundes Gleichgewicht bringen muss – ohne den Wolf auszurotten.

 

www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb/der-wolf-ist-auch-nur-ein-fauler-hund-24970848.html

 

 

Erstellt am 12.03.2018
Zurück zur Übersicht