Jagdpächter appellieren an Vernunft der Waldbesucher

Ein Hund, der ausgebüxt war, hat vor kurzem im Bereich Häslachrain in Besigheim ein Reh gerissen. Der Unmut der Jagdpächter richtet sich aber nicht nur gegen die Hunde, die nicht angeleint sind, sondern auch gegen Jogger und Radfahrer, die die Nacht zum Tag machen und dadurch die Wildtiere aufschrecken.

Erstellt am 23.09.2020

Viele Hundehalter haben gut erzogene Vierbeiner, die aufs Wort hören. Sie achten darauf, dass ihr bester Freund auf vier Pfoten nicht unbeaufsichtigt durchs Unterholz stöbert und Wildtiere aufscheucht. Und doch passiert es immer wieder, dass Rehe gerissen werden. Wie unlängst im Bereich Häslachrain, wo eine Rehgeiß zu Tode gebissen worden ist.

Oft kümmern sich Hundebesitzer in solchen Fällen nicht darum und verschwinden unerkannt. Im Fall der toten Rehgeiß sind jedoch sowohl der Hund als auch die Hundebesitzerin bekannt. Sie hätte bei der Polizei angerufen, um zu melden, dass ihr Hund aus der Wartturmsiedlung ausgebüxt und mit Blutflecken in seinem hellen Fell zurückgekehrt sei, erzählt Jagdpächter Jörg Hammer. Fast zeitgleich hätten Zeugen, die den Vorfall beobachtet hatten, die Polizei alarmiert. Die Beamten wiederum „haben uns Jagdpächter angerufen. Wir haben uns sofort auf den Weg gemacht, um nach dem Tier zu schauen. Es wies zahlreiche Bisswunden unter anderem am Hals auf.“

Die Jagdpächter hätten sich mit der Hundebesitzerin in Verbindung gesetzt, sagt Hammer. Mit der Besitzerin hätten sie sich auf „einen Betrag im niedrigen dreistelligen Bereich geeinigt“ – als materielle Entschädigung und um einen Teil der Entsorgungskosten aufzufangen. „Von einer Anzeige haben wir in diesem Fall abgesehen. Dennoch wollen wir die Bevölkerung für dieses Thema sensibilisieren.“

Hegeringleiter Steffen Kohl ist wütend und wendet sich in einem Schreiben an unsere Zeitung. „Vom materiellen Schaden einmal abgesehen, laufen nun zwei Kitze führungslos herum. Ob sie ohne das Muttertier über den Winter kommen, ist fraglich.“ Da es sich hier nicht um einem Einzelfall handle, macht Kohl seinem Unmut Luft. In den vergangenen Jahren habe es eine Häufung an gerissenen Rehen auf der Markung Besigheim gegeben. Kohl appelliert an die Hundebesitzer, ihre Hunde doch „unter Kontrolle zu halten“. Denn auch Spaziergänger und Jogger klagten den Jagdpächtern, dass sie im Bereich des Trimm-dich-Pfades von nicht angeleinten Hunden angegangen würden.

Leinenpflicht gelte nur in Naturschutzgebieten, sagt Revierförster Bernd Renner, im Wald nicht. „Das Herrchen oder Frauchen muss den Hund im Griff haben. Der Hund muss gehorchen.“ Das bestätigt auch Besigheims Hauptamtsleiterin Sabine Keller: Es müsse gewährleistet sein, dass der Hund folge, wenn der Besitzer ihn zurückpfeift.

Hegeringleiter Steffen Kohl hadert jedoch nicht nur mit den Hundebesitzern, sondern auch mit den Joggern, mit Offroad-Radfahrern sowie Geocachern, die sich mit einem GPS-Gerät auf Schnitzeljagd begeben. „Sie alle tauchen zu jeder Tages- und Nachtzeit auf“, ärgert sich Kohl. „Man muss sich fragen, ob jemand mit einer Stirnlampe durchs Gelände joggen oder fahren muss.“ Das Wild werde dadurch aufgeschreckt, flüchte, verfange sich in einem Zaun oder finde nicht selten im Straßenverkehr den Tod. „Die Jagdpächter müssen dann den ‚Bio-Müll‘ von der Straße kratzen und fachgerecht entsorgen.“

Per Gesetz seien die Jagdpächter angehalten, einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu erhalten und zu pflegen. Dieser müsse der Forst-, Land- sowie der Fischereiwirtschaft angepasst sein. „In einer so dicht besiedelten Region wie hier, müssen wir in der Dämmerung oder in der Nacht jagen. Dies wird erschwert, da es immer mehr Menschen gibt, die die Nacht zum Tag machen.“

Autor: Britta Slusar

Zum Artikel in der Ludwigburger Kreiszeitung

Erstellt am 23.09.2020
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