Tierseuche: Ein Zaun alleine hilft nicht

Das Risiko, dass die Schweinepest auch im Landkreis auftaucht, wird als hoch eingeschätzt. Der Kreis hat sich vorbereitet, die Jäger vermissen derzeit einen konkreten Alarmplan.

Spätestens nachdem die Afrikanische Schweinepest (ASP) am 10. September an einem Wildschweinkadaver in Brandenburg vom Friedrich-Loeffler-Institut nachgewiesen wurde, sind deutschlandweit die Jäger und Behörden in erhöhter Alarmbereitschaft. In Brandenburg wurden bis zum Wochenende bereits 46 Fälle von ASP nachgewiesen.

Erstellt am 06.10.2020

Bietigheimer Zeitung, 06.10.2020, von Martin Hein

Hausschweine sind bislang nicht davon betroffen. Die ASP ist zwar für den Menschen ungefährlich, allerdings ist diese Krankheit, von der nur Haus- und Wildschweine betroffen sind, eine anzeigepflichtige Tierseuche. Infizierte Tiere leiden an Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Apathie. Die Seuche verläuft für die infizierten Tiere fast immer tödlich.

Nach Angaben des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ist das ASP-Virus äußerst widerstandsfähig und kann beispielsweise bis zu zehn Tage im Schweinekot, 190 Tage an Holz, über 200 Tage in mit Blut durchtränktem Erdboden überleben.  Der Verzehr von mit dem ASP-Virus kontaminierten Lebensmitteln ist für den Menschen ungefährlich.

Ein Ausbruch der Tierseuche in einer Schweinehaltung, hätte für den betroffenen Betrieb katastrophale wirtschaftliche Folgen, da alle infizierten Schweine getötet und vernichtet werden müssten. Das besondere Augenmerk richtet sich derzeit darauf, die Übertragung von Wildschweinen auf Hausschweine zu verhindern.

Deshalb hat nach Auskunft von Pressesprecher Andreas Fritz, der Landkreis Ludwigsburg entsprechende Vorbeuge-Maßnahmen getroffen.

Im Landkreis wurden drei Verwahrstellen in Grünbühl, Großbottwar und Vaihingen zur Aufbewahrung von Wildschweinkadavern eingerichtet. Hierdurch soll vermieden werden, dass verendete Wildschweine in Wald oder Feld verbleiben und so eine mögliche Infektionsquelle darstellen können.

Nach Aussage eines Jägers aus dem Kreis Ludwigsburg, der nicht genannt werden möchte, begrüßt die Jägerschaft die Einrichtung dieser Verwahrstellen. Allerdings stünden an den Verwahrstellen lediglich gekühlte Behälter, die so groß wie Mülltonnen seien. Darin sollen infizierte Wildschweinkadaver zunächst deponiert und anschließend entsorgt werden. Mit spätestens fünf Wildschweinkadavern wäre ein solcher Behälter voll, kritisiert der Jäger.

„Desinfektionsmittel fehlt“

Schwerer wiege der Umstand, dass derzeit an den Verwahrstellen keine Möglichkeiten vorhanden seien, Schuhe oder das Fahrzeug, mit dem ein infizierter Kadaver transportiert wurde, zu desinifizieren. Schließlich könne von jetzt auf nachher bereits die erste an der Schweinepest verendete Wildsau gefunden werden.

Zudem kritisiert der Jäger, dass die Standorte der Verwahrstellen nicht mit der Jägerschaft abgestimmt worden wären. Beispielsweise sei im Einzugsgebiet der Verwahrstelle Grünbühl in den letzten 15 Jahren gerade mal eine Wildsau vorgekommen. Im Stromberg hingegen wäre kreisweit mit das höchste Aufkommen an Wildschweinen und dort gebe es gar keine Verwahrstelle.

In Rücksprache mit der Jägerschaft im Landkreis wurde nach Auskunft des Landratsamts, eine verstärkte Bejagung der Wildschweine veranlasst. Bei aufgefundenen toten Wildschweinen werden alle Tiere und bei erlegten Wildschweinen wird eine Stichprobe auf den Erreger der Afrikanischen Schweinepest untersucht. Die Jäger sind hierbei in besonderem Maße eingebunden und leisten, nach Angaben von Pressesprecher Fritz, dabei eine wertvolle Unterstützung. Die Revierdaten der Jäger wurden aktualisiert und für den Seuchenfall, eine Abfrage der Bereitschaft zur Suche nach verendeten Wildschweinen auch außerhalb des eigenen Reviers durchgeführt. Der Landkreis informiert die Schweinehalter regelmäßig über Biosicherheitsmaßnahmen, um die Einschleppung der ASP in den Hausschweinebestand zu verhindern.

Im Landratsamt wurde eine Arbeitsgruppe der für die Bekämpfung der Seuche relevanten Fachbehörden eingerichtet. Dazu gehören das Veterinäramt, Jagdbehörde, Forstverwaltung, Landwirtschaftsamt, Rechtsamt, Straßen und Katastrophenschutz. Nach Angaben des Pressesprechers erfolgte bereits eine verstärkte Bevorratung von Schutzkleidung sowie Materialien zur Bergung von Wildschweinkadavern im Seuchenfall.

Land hat einen Zaun beschafft

Erst im Seuchenfall, also nachdem die Afrikanische Schweinepest an einem Wildschweinkadaver nachgewiesen wurde, werden bestimmte Gebiete ausgewiesen. Dazu gehört auch eine „Kernzone“, die in der Regel umzäunt wird.

Dieser Elektrozaun soll die Ausbreitung erkrankter Wildschweine eindämmen. Dies müsse dann den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden, so Pressesprecher Fritz. In städtischen Gebieten, wie im Kreis Ludwigsburg könne sich dies schwierig gestalten. Das Land Baden-Württemberg hat bereits einen mobilen Zaun beschafft habe, welcher im Bedarfsfall angefordert werden kann.

Was den Schutzzaun angeht, fürchtet der Jäger, dass im Ernstfall ein Kompetenzgerangel losgehen könne. Es sei derzeit nicht geklärt, wer etwa den Zaun anfordern dürfe  – ob das Veterinäramt, das Ministerium oder die Straßenmeisterei.

Jäger und Landratsamt sehen die Schwierigkeit, im Kreis überhaupt einen solchen Zaun aufzubauen. Angesicht der vielen Straßen und geographischer Gegebenheiten sei es nahezu unmöglich, im Radius von drei Kilometern um einen infizierten Wildschweinkadaver einen Zaun dicht zu bekommen. Deshalb sei es wichtig, dass man das Augenmerk verstärkt auf die nächsten Schritte richte. Also beispielsweise nach dem Fund eines Kadavers eine gründliche Desinfektion und rasche Entsorgung des kontaminierten Wildschweinekadavers durchführe.

Die Jäger werden nach Auskunft von Pressesprecher Fritz, seit 2017 regelmäßig über Seuchenausbreitung, Präventivmaßnahmen, jagdrechtliche Änderungen sowie die benötigte Mitarbeit durch die Jägerschaft vor und nach einem etwaigen Seuchenausbruch im Landkreis von Seiten des Veterinäramtes und der Jagdbehörde informiert.

Konkreter Plan

Doch die Jäger kritisieren, dass sie den konkreten Plan im Fall der ASP noch nicht kennen. Die Jäger wüssten gerne, wie sie sich im Ernstfall – der jeden Moment eintreten könne – verhalten sollen und wer wann welche Schritte einleitet. Die derzeitige Einstellung wäre seitens der Behörden nach dem Motto: „Jetzt finden wir erstmal eine tote Sau, und dann sehen wir weiter“, kritisiert der Jäger.

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Erstellt am 06.10.2020
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